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Archiv für Januar, 2012

Kredit, Zinsen und Moral – Ein Appell an Banken und Politik

Jedem Menschen steht eine angemessene Vergütung für seine tatsächlich geleistete Arbeit zu. Geld soll dabei der Bezahlung ehrlicher Arbeit für einen gerechten Austausch untereinander dienen.

„Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“ Henry Ford – Gründer des Automobilherstellers Ford Motor Company

Die meisten Menschen haben keine Ahnung wie das heutige Kreditgeldsystem funktioniert. Das betrifft nicht nur die einfachen Arbeiter, sondern auch die meisten Unternehmer. Sogar Betriebs- und Volkswirte lernen es in ihrer Ausbildung nicht. Banker hingegen sollten es verstehen, überblicken aber oft die praktischen katastrophalen Auswirkungen für den allergrößten Teil (99%) der Bevölkerung nicht, zu dem die meisten von ihnen selbst gehören.

Mittlerweile beträgt der Zinsanteil der Konsumenten-Preise (Waren und Dienste) im Durchschnitt rund 40 Prozent. Bei Ausgaben von 25.000 Euro im Jahr zahlen Sie rund 10.000 Euro Zinsen. Und wie viel Zinsen bekommen Sie?

Wollen wir dieses System – das nur einigen wenigen nutzt – sowie die Verpflichtungen, die wir aus mangelndem Verständnis in der Vergangenheit eingegangen sind, in der Zukunft weiter anerkennen?

Nachfolgend vier grundlegende Gesetze, auf die ich meine weiteren Erläuterungen aufbaue.

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948
„Grundlage des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland“
Artikel 3 – Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.
Artikel 4 – Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden;
Sklaverei und Sklavenhandel sind in allen ihren Formen verboten.

Bürgerliches Gesetzbuch BGB – § 248 Zinseszinsen
(1) Eine im Voraus getroffene Vereinbarung, dass fällige Zinsen wieder Zinsen tragen sollen, ist nichtig.
(2) Sparkassen, Kreditanstalten und Inhaber von Bankgeschäften können im Voraus vereinbaren, dass nicht erhobene Zinsen von Einlagen als neue verzinsliche Einlagen gelten sollen. Kreditanstalten, die berechtigt sind, für den Betrag der von ihnen gewährten Darlehen verzinsliche Schuldverschreibungen auf den Inhaber auszugeben, können sich bei solchen Darlehen die Verzinsung rückständiger Zinsen im Voraus versprechen lassen.

Strafgesetzbuch StGB – § 138 Sittenwidriges Rechtsgeschäft; Wucher
(1) Ein Rechtsgeschäft, das gegen die guten Sitten verstößt, ist nichtig.
(2) Nichtig ist insbesondere ein Rechtsgeschäft, durch das jemand unter Ausbeutung der Zwangslage, der Unerfahrenheit, des Mangels an Urteilsvermögen oder der erheblichen Willensschwäche eines anderen sich oder einem Dritten für eine Leistung Vermögensvorteile versprechen oder gewähren lässt, die in einem auffälligen Missverhältnis zu der Leistung stehen.

Geld  – Eine sinnvolle Einrichtung?

Selbstverständlich ist Geld grundsätzlich eine sinnvolle Einrichtung, wenn es darum geht Leistungen gegeneinander aufzurechnen, sprich Handel betreiben zu können, ohne dabei direkt untereinander tauschen zu müssen. Auch ist das Kreditgeldsystem in diesem Zusammenhang eine Vereinfachung gegenüber dem reinen Verleih von Bargeld. Und ebenso haben Zinsen ihre berechtigte Funktion in diesem Spiel. Doch alles in Maßen und in der richtigen Form.

Kredit – Geldschöpfung aus dem Nichts

Im heutigen System entsteht Geld aus Schuld. Das bedeutet, dass der Kunde der Bank im Kreditvertrag verspricht Geld zurückzuzahlen, das es bis zu diesem Zeitpunkt nicht gab. Durch diese Forderung der Bank gegen den Kunden, darf sie die Menge Geld aus dem Nichts erschaffen, zu dessen Rückzahlung sich der Kunde bereit erklärt hat. Die meisten Menschen glauben allerdings, sie würden sich bei einem Kredit Geld von der Bank leihen, das andere Kunden der Bank geliehen haben. Weiter glauben sie, dass der Großteil der Zinseinnahmen der Banken an die Sparer weitergereicht wird.

In Deutschland brauchen die Banken um einen Kredit vergeben zu dürfen laut Gesetz Eigenkapital, sprich tatsächliche Einlagen, die als Sicherheit dienen, wenn Kredite ausfallen. Entsprechend dürfen sie Kredite vergeben, sprich neues Geld aus dem Nichts schöpfen. Allerdings gelten solche Vorgaben nicht überall. Es gibt sogar Gebiete, da entsteht das sogenannte Geld ohne Eigenkapital aus dem Nichts, z.B. auf den Inseln des britischen Königshauses, die nicht zum englischen Staat gehören. Banken verleihen also kein Geld, sondern erschaffen es durch den Kredit aus dem Nichts.

Dabei berechtigt vorhandenes Bargeld die Banken in der Regel zu höheren Krediten, als sogenanntes Buchgeld (Giralgeld), also jenes welches sie bei einem Kredit aus dem Nichts erschaffen und das in Wirklichkeit kein Geld ist, sondern nur ein Anspruch auf Bargeld begründet und wie Geld verwendet wird. Der Begriff Buchgeld beschreibt, dass die Ansprüche auf Geld früher in Bücher eingetragen wurden. Die moderne Form ist das Giralgeld (Girokonto), welches im Wesentlichen nur als Zahlen in Computern existiert. Heute gibt es ca. 50 mal soviel Buch-/Giralgeld wie Bargeld.

Zins und Zinseszins

Und für dieses Erschaffen von Geld aus dem Nichts – das in Wahrheit ja keines ist, sondern nur ein Anspruch darauf  –  nehmen Banken fortlaufend Zinsen. Und wenn die Zinsen vom Kunden nicht bezahlt werden können, dann verzichten  die Banken darauf und verwandeln die Zinsforderungen laut Kreditvertrag (gem. BGB, § 248, Satz 2) einfach in einen neuen Kredit um, auf den sie dann wiederum zusätzlich zu dem ursprünglichen Kredit Zinsen nehmen … u.s.w. So umgehen sie ganz legal das Zinszinsverbot (gem. BGB, § 248, Satz 1) und erschaffen zugleich immer mehr Geld.

Tilgung – Das Problem der Rückzahlung

Als erstes möchte ich der sich verbreitenden Behauptung widersprechen, dass Zinsen nur bezahlt werden können, wenn man dafür zusätzliches Geld per Kredit schafft. Der Denkfehler liegt darin, dass nicht zwischen dem Geld zur Tilgung und dem Geld für die Zinsen unterschieden wird. Die nachfolgende Grafik zeigt wie eine Tilgung möglich wäre.

Dennoch führt das System zur wachsenden Verschuldung und gleichermaßen zu Vermehrung von Guthaben, da es den Kreditnehmern keine Garantie bietet, das in Umlauf gebrachte Geld wieder zurück zu verdienen. Das verhängnisvolle Problem des Zinses entsteht demnach durch die Möglichkeit Geld zu horten und so dem Kreislauf zu entziehen. Da hilft es auch nichts, das Geld zur Bank zu bringen, denn die kann es ja nur gegen neue Schulden wieder in Umlauf bringen. Demnach fehlt eine Reglung, die dafür sorgt, dass das  bestehende Guthaben ohne weitere Schuld zurück in die Hände der Kreditnehmer gelangen kann. Positive Zinsen auf Guthaben verstärken den Effekt Gewinne auf die Bank zu bringen, also zu horten, statt sie durch Konsum wieder in Umlauf zu bringen. Was also könnte getan werden?

Lösungsansatz – Negativzins auf Sparguthaben

Ein negativer Zins auf Sparguthaben dürfte den gewünschten Effekt bringen, weil es dann interessanter wäre das Geld gegen wirkliche Werte (Waren und Dienstleistungen) zu tauschen, statt es zu horten und so vermehren zu wollen. Das Geld gelänge ohne Schuld wieder in Umlauf und könnte von den Kreditnehmern leichter zurück verdient werden.

Die Einnahmen aus den negativen Guthaben-Zinsen (Geld-Lagergebühren) könnten z.B. als Volksdividende gleichermaßen an alle Bürger verteilt werden. Dies würde beim Ruhen der Wirtschaft Schritt für Schritt zu einer vollständigen Umverteilung des Geldes führen und die Rückzahlung aller Kredite ermöglichen, während der Positivzins ein exponentielles Wachstum der Wirtschaft voraussetzt, um das Geld für die Zinsen erarbeiten zu können.

Die Schulden und Guthaben könnten auf das tatsächlich benötigte Maß zurück schrumpfen und die für die Kredite hinterlegten Sicherheiten, wie z.B. Grundstücke und Immobilien blieben Eigentum der Kreditnehmer und würden deren Kreditwürdigkeit und Unabhängigkeit erhalten. – Doch vielleicht ist ja genau das nicht gewünscht!

Horten – Die Notwendigkeit eines neuen Bodenrechts

Gäbe es eine Lagergebühr für Sparguthaben, dann würden die Menschen aus dem Geld in Sachwerte flüchten um ihr Vermögen zu sichern. Dies kann natürlich zu Problemen führen, weil einzelne reiche Menschen uneingeschränkt Bodenflächen, Gebäude, Unternehmen und Rohstoffe aufkaufen können und dürfen. So erhalten sie durch die Abhängigkeit der Bevölkerung die Macht die Preise zu bestimmen. Gefördert wird diese Entwicklung zusätzlich durch Subventionen, z.B. für das Brachliegen lassen landwirtschaftlichen Flächen. So erhalten die Reichen zusätzlich zur Macht auch noch satte Gewinne fürs Nichtstun auf Kosten der Steuerzahler. Auch auf diese Weise findet eine Umverteilung von Fleißig auf Reich, ähnlich wie beim Geld durch die positiven Guthabenzinsen statt.

Deshalb bedarf es – besonders im Hinblick auf die Eurokrise und den damit verbundenen Vertrauensverlust in das Geld und die daraus resultierende Flucht in Sachwerte – dringend einer Reform des Geldsystems und parallel dazu eine Bodenrechtsreform, die in der Lage ist die voranschreitende Wiederkehr und sich ausbreitende Macht der Feudal-Herrschaft sowie die daraus entstehende Frondienst-Knechtschaft der Fleißigen, sprich die Sklaverei aufzuhalten.

Wir brauchen Garantien für jeden Menschen auf ein Stück Land, auf dem wir uns ggf. unabhängig selbst versorgen können. Nur so können wir frei Nein zu den Arbeitsangeboten des Marktes sagen, wenn überzogen viel Leistung von uns als Arbeiter für zu wenig Gegenleistung verlangt wird ohne uns und die Existenz unserer Familien zu gefährden.

Marktsättigung – Die Notwendigkeit eines Leistungslosen Grundeinkommens

In Zeiten, wo Dank des Maschinellen Fortschritts immer weniger Menschen die gesamte Versorgung der Bevölkerung sicher stellen können, müssen Einkommen und Arbeit entkoppelt werden, um unnötige Arbeit zu verhindern.

Gesetz und Moral

Dies zeigt, dass Obrigkeit treues gesetzliches Handeln kein Garant für Gerechtigkeit ist. Es ist unabdingbar, dass wir uns alle wieder auf die moralischen Grundsätze, die Menschenrechte, das Völkerrecht und hier in Deutschland auf das Grundgesetz, die sogenannte Verfassung für die vereinten Wirtschaftsgebiete Deutschlands besinnen, die uns weltweit ein friedliches Leben in gegenseitiger Achtung und individueller Selbstbestimmung garantieren wollen.

Da Gesetze nur Worte sind und nicht selbst handeln können, liegt deren Einhaltung in unser aller Verantwortung.

Und wenn Gesetze und Verträge unseren Wertevorstellungen oder den praktischen Notwendigkeiten der Zeit nicht mehr entsprechen, dann müssen sie von uns geändert oder aufgehoben werden. Denn der Mensch mit seinem natürlichen Empfinden von Moral und Gerechtigkeit steht letztlich – als dessen Schöpfer – immer über dem Gesetz.

Nicht wir müssen dem Gesetz dienen, sondern das Gesetz uns Menschen allen zugleich.

Dies gilt auch für das Geld.

Natürlich sollen auch Banker bei der Kreditvergabe angemessen für ihre tatsächliche Leistung bezahlt werden. Verträge allerdings, die sich einseitig auf das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB, § 248, Satz 2), den Zinseszins betreffend stützen und dabei den sittenwidrigen Wucher gemäß Strafgesetzbuch (StGB, § 138) außer Acht lassen, sind ohne einen schriftlichen und eindeutigen Nachweis darüber, dass der Kunde das Zins-Geldsystem bei Abschluss verstanden und auf eine angemessen Gegenleistung der Bank für seine versprochenen Zinszahlungen verzichtet hat, als nichtig zu erachten.

In diesem Sinne sollten Banken ausschließlich Kreditverträge mit angemessener Gegenleistung anbieten, die dem Kunden die schnellstmögliche Rückzahlung des Kredites ermöglicht und den Bankern eine gerechte Bezahlung ihrer Dienstleistung garantiert. Auf Sicherheiten, die für das Leben, die Freiheit und die Sicherheit der Menschen unentbehrlich sind, sprich Grundstück, Haus, Fahrzeug und Werkzeuge, muss verzichtet werden.

Nur so kann das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person (gem. MR Artikel 3) garantiert, sprich Sklaverei oder Leibeigenschaft in allen Formen (gem. MR Artikel 4) verhindert und damit die Grundlage für dauerhaften Frieden und Wohlstand für alle Menschen im Einklang mit der Natur geschaffen werden.

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